BUND Regionalverband Nordschwarzwald
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Gruß ond GSOND – Walter

Walter Trefz ist bei einem Verkehrsunfall am 29.7.2021 verstorben. 8.10.1938-29.7.2021  (Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

„Förster, Naturschützer, Rebell und Waldphilosoph“, so wird Walter Trefz im Buch „Jahresringe – Einblicke in mein Leben als Schwarzwaldförster“ beschrieben. 4 Begriffe, die nie die ganze Umtriebigkeit von Walter abbilden können, die ihn aber ziemlich gut beschreiben. Mit 82 Jahren erhielt er dieses Jahr für seinen unermüdlichen Einsatz für den Umwelt- und Naturschutz das Bundesverdienstkreuz, am 29.7.2021 ist Walter Trefz bei einem tragischen Autounfall tödlich verunglückt.

Die Natur zu kennen und zu bewahren in ihrer verletzlichen Schönheit – das war sein Leben, und durch seine Liebe zur Natur konnte er die Menschen mitreißen und teilhaben lassen an der Entdeckung dieses großen Geheimnisses, das wir Leben nennen. Walter war offen, humorvoll und kämpferisch. Mit ihm zusammen nach Lösungen zu suchen für den Trockenfall von Bächen, für den hitzegeplagten Wald, für das Verschwinden von Schmetterlingen, für das Ausbreiten invasiver Arten, für das unverständliche Reduzieren der Natur auf ihren materiellen Wert verschaffte Freude und nahezu Optimismus. Sein Blick lenkte auf die ungebrochene Schönheit der Natur und auf ihre Bewahrung. Seine Gegenwart vermittelte das nötige Vertrauen und gab jeder Naturschutzaktion Sinn und Wahrhaftigkeit, während der Zeitgeist sich der Selbstzerstörung verschrieben hat. Seine letzte Mail um die Mittagszeit seines Todestages lautete: Er habe sich „freigemacht“ für den kommenden Mittwochnachmittag in der Sache Wasenhütte Freudenstadt; und er wünschte den „Liebe Leut`“ wie immer „Gsond“ zu bleiben. Er war wie immer voller Pläne.

Rund 40 Jahre lang prägte Walter Trefz das Gesicht des BUND in der Region und darüber hinaus. Er ist 1.1.1983 in den BUND eingetreten. Er war mehr als 10 Jahre Bundes- und Landes-delegierter und hat ebenfalls mehr als 10 Jahre in den Arbeitskreisen Wald des Landes- und des Bundesverbands mitgearbeitet.

Lieber Walter, wir, der BUND-Nordschwarzwald und der BUND-Landesverband Baden-Württemberg, werden Dich als Mahner, Zuhörer, Ratgeber, Antreiber, Ausgleicher und Brückenbauer und Mensch sehr vermissen. Wenn keine Brücke da war, hast du die Menschen über den Bach getragen. Deiner Familie wüschen wir in dieser schweren Zeit Kraft und dass sie nie deine Lebensfreude vergisst. Danke!

Vom Kolkraben lernen

Mit 82 Jahren blickt Walter auf ein langes Leben zurück und sprüht vor Tatendrang Walter Trefz im Winter 2021 auf dem Kniebis  (Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Walter Trefz war seit 1983, also seit über 25 Jahren für den BUND aktiv. Der gelernte Förster arbeitete 33 Jahre lang am Kniebis im Nordschwarzwald. Walter Trefz zeichnete eine besonders gelungene, aufrichtige und politische Verbindung zwischen seinem Beruf und dem Engagement für Natur- und Umwelt im BUND aus. Auslöser für sein Engagement im BUND war das Waldsterben. In der Freudenstädter „Aktionseinheit gegen das Waldsterben“, bei verschiedenen internationalen Waldsterbekongressen und als stellvertretender Sprecher des BUND Bundesarbeitskreises Wald, sowie in der Landesarbeitsgruppe Wald des BUND hat er eine unschätzbare Arbeit geleistet. Seine Arbeit war gekennzeichnet von politischer Arbeit hart an der Sache, von einer unglaublichen Kreativität, großer Freude an Aktionen und Verknüpfungen von Natur- und Umweltschutzzielen mit Heimat und Kultur der jeweiligen Landschaften.

Seit 1983 prangerte Walter Trefz offensiv Missstände im Wald an. Noch während seiner Dienstzeit als Förster, machte er, entgegen der Weisung seiner Vorgesetzten aus seiner Meinung zum Waldsterben oder der Bekämpfung des Borkenkäfers keinen Hehl.

Mit mutigen Aktionen alarmierte er die Öffentlichkeit, etwa als er 1983 auf dem Freudenstädter Marktplatz einen Maibaum aufstellte, der mit dem Spruch geschmückt war: „Der Mai ist gekommen, die Bäume sterben aus“. Aktionen wie diese und sein unbeirrtes Festhalten an seinen Überzeugungen führten zu zahlreichen disziplinarischen Maßnahmen und Einträgen in die Personalakte und letztendlich zu seiner vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand.

Seit seiner Pensionierung widmete er sich intensiv der Verbindung zur Natur und Kultur. Legendär sind mittlerweile seine Führungen mit vielfältigen Angeboten für die ganze Familie. Vom Bacherlebnis über Spaziergänge im Winterwald bis zum Bauernhofbesuch. Besonders beeindruckend waren die von ihm ins Leben gerufene Landschaftspflegetage „Landschaftspflege wie anno dazumal“. Hier können ganze Familien lernen, wie früher Heu gemacht wurde und was eine zünftige Brotzeit im frühen 20. Jahrhundert im Kniebis war.

Für den BUND war Walter Trefz ein Glücksfall. In ihm verbindet sich Gradlinigkeit und Offenheit mit Sachverstand und Mut sowie eine unglaublich große Liebe zur Natur – von der Wildnis zur Kulturlandschaft. Und noch eines zeichnete diesen wunderbaren Menschen aus: Er ist in seinem Herzen jung geblieben. Das äußerte sich nicht nur in seiner ungeheuren Kreativität, sondern auch in seinem Verständnis für die Jugend. Und so ist es nicht verwunderlich, dass er Parallelen zieht zwischen den jungen Kolkrabenhorden und Jugendlichen. Können doch junge Kolkraben auf dem Rücken fliegen und wer weiß vielleicht auch, können sie auch eines Tages sogar rückwärts fliegen. Und so sollen wir im BUND auch die Arbeit mit den Jugendlichen sehen: „Ihnen die Möglichkeit einräumen wie bei den jungen Kolkraben quer zu denken, um dann zu neuen Ideen zu kommen“.

Pressenachruf

Der BUND trauert um Walter Trefz 8.10.1938-29.7.2021  (Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

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