Mit Fernglas und Spaten dem Klimawandel auf der Spur

Johannes-Gaiser-Werkrealschule Baiersbronn

Es gibt Menschen, die finden eine Klimavorlesung spannend. Ich muss gestehen, ich gehöre dazu. In den Schulklassen sieht das in den ersten Minuten oft anders aus. Aktuell interssiert manche Schülerinnen und Schüler vor allem, ob man ein „Klimakleber“ ist und ob man das gut findet.

Dabei ist Klima längst mehr, als nur der oberflächliche Austausch übers Wetter. Die Klimaerhitzung ist zu einer existenziellen Frage geworden. Auch bei uns im Nordschwarzwald sieht man die Veränderungen mittlerweile deutlich. Es ist wärmer geworden. Das sieht man gut an den deutlich kürzeren und schneeärmeren Wintern. Die Wetterlagen sind länger geworden. Gerade in den Sommermonaten haben wir immer längere Dürrephasen. Und das Wetter ist extremer geworden.

Wir sehen das sehr deutlich bei uns im Nordschwarzwald. Ein Blick durchs Fernglas zeigt – nicht nur im Nationalpark – größere Bereiche mit abgestorbenen Fichten. Ein Schüler meint. „Weil im Nationalpark die Borkenkäferbäume nicht rausgenommen werden, stirbt der Wald schneller ab.“ In vielen Gesprächen wird der Zusammenhang so erklärt. Es ist aber nur die halbe Wahrheit. Der Borkenkäfer breitet sich schneller aus, wenn seine Brutstätten nicht entfernt werden. Das stimmt schon. Es fallen aber auch ganze Wirtschaftswälder aus. Wälder, die lange Zeit relativ stabil waren.

Im Nationalpark kann man gut erkennen, wie es um die einzelnen Baumarten bestellt ist, weil in ihm die abgestorbenen Bäume sichtbar bleiben. In Wirtschaftswäldern werden solche Bäume entfernt. Letztendlich ist das oft nur eine Verzögerung und eine Kaschierung des tatsächlichen Zustandes. Es ist vergleichbar mit einem Mensch, der versucht, die ersten grauen Haare herauszureißen. Das geht eine Zeit lang gut. Zum Schluss würde es dann aber in einer Glatze enden.

 (Patrick Maier / BUND Nordschwarzwald)

„Wie steht es denn ums Wasser“, frage ich in die Runde. Die Antworten reichen von „am Wochenende hat es geregnet“, über „eigentlich war der Juni ziemlich feucht“ bis hin zu „viel zu trocken“. Wir nehmen die beiden Spaten und graben in die oberste Bodenschicht. In den obersten 5 Zentimetern haben wir viele Wurzeln und viel Humus. Alle bekommen ein bisschen Erde. Ich erkläre: „Wenn ihr eine Wurst rollen könnt, ist der Boden zumindest feucht.“ Die Schülerinnen und Schüler sind mit Freude dabei und bekommen es hin. Der Boden ist leicht feucht.

Nun bitte 5 bis 10 Zentimeter tiefer. Wieder bekommen alle eine Bodenprobe. Eine Wurst bekommt niemand mehr hin. Der Boden ist trocken. Um das Ergebnis zu bestätigen, graben wir noch etwas tiefer. Auch bei 20 bis 30 Zentimeter Tiefe das selbe Bild: Es ist trocken. „Das sind die Schichten“, erkläre ich, „wo viele Wurzeln der Fichten anfangen. In unseren schweren Böden kommen die Fichten nicht sehr tief. Sie kommen nicht zum Grundwasser und sind darauf angewiesen, dass die oberen Bodenschichten genug Wasser liefern. In den letzten Jahren war das nicht mehr der Fall. Viele starke Niederschläge konnten von den trockenen Böden nicht aufgenommen werden und sind einfach oberflächlich abgeflossen.

Wie trocken oder nass war denn der Juni wirklich? Der DWD schreibt für Baden-Württemberg: „Der Juni war im Südwesten mit 19,4 °C (15,1 °C) nach 2003 der zweitwärmste seit Messbeginn. Im Oberrheingraben wurden an nahezu allen Junitagen ≥ 25 °C gemessen. Waghäusel-Kirrlach zählte sogar 13 heiße Tage (≥ 30 °C). Um mehr als die Hälfte zurück blieb die Niederschlagsmenge mit 39 l/m² (107 l/m²). Als zweitsonnigste Region meldete BaWü mit 340 Stunden (202 Stunden) sogar einen neuen Junirekord.“ (Link)

Der Enthusiasmus des Lehrerkollegiums und der Forschungswille der Schülerinnen und Schüler haben mich beeindruckt. Mit Blick auf das Artensterben und den Klimawandel kommen große Aufgaben auf uns als Gesellschaft zu. Statistisch erleben die Jugendlichen aus diesen 8. Klassen das Jahr 2100. Eine Zeit, in der es (sollte die globale Durchschnittstemperatur um 3 Grad steigen) bei uns im Nordschwarzwald rund 6 Grad wärmer sein könnte. (Link)

 

 

 

 

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