BUND Regionalverband Nordschwarzwald

Mein Tagebuch als spanischer Umwelt-Praktikant

Wohnhaft in Pforzheim vom 15. April bis 20. Mai für ein Praktikum beim BUND Praktikum Freiwilliger aus Tarrega (nahe Barcelona, Spanien)  (Cesar Gascon Iglesias / Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Hallo! Mein Name ist Cesar Gascon Iglesias und ich bin 28 Jahre alt. Ich komme aus einer kleinen Stadt namens Tarrega, die etwa 100 km westlich von Barcelona liegt. Ich liebe alles, was mit der Natur zu tun hat. Schon als Kind habe ich Wälder geliebt. Deshalb habe ich mich entschieden, ein Studium in Forstwirtschaft und Umweltmanagement zu absolvieren. Die Leute von Associacio Alba (zurück in meiner Stadt) und Qprints aus Pforzheim haben mir die Möglichkeit gegeben, nach Deutschland zu kommen und hier ein Praktikum zu machen. Associació Alba und QPrints sind nicht-staatliche Organisationen (NGOs), die sich hauptsächlich um Menschen kümmern und ihnen helfen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Außerdem unterstützen sie junge Menschen, Praktika in der Europäischen Union zu absolvieren. QPrints hat dann den Kontakt zum BUND-Nordschwarzwald hergestellt und so habe ich die Möglichkeit bekommen, dort Praktikant zu sein.

Es ist auffällig, dass wir und in Spanien und Deutschland eigentlich die gleichen Sorgen über den Zustand der Umwelt machen. Ich denke, dass wir jetzt etwas gegen die Umweltverschmutzung und den Naturverlust tun müssen, wenn wir die Erde und unser Überleben schützen wollen.

Ich war wegen dieser Corona-Situation sehr überrascht, dass ich es schaffen konnte, hierher zu kommen und mit dem BUND zu arbeiten, aber mit Homeoffice und viel Abstand klappt es ganz gut. Ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich diese Erfahrung machen kann, weil die Grenzen für die meisten Menschen geschlossen sind. Ich musste in Tarrega einen PCR-Test machen, um hierher fliegen zu dürfen und musste 5 Tage in Quarantäne. Ich hoffe, dass ich viel über die Umwelt hier unter ganz anderen klimatischen Bedingungen als in Spanien lernen kann.

Ich freue mich auf die Erfahrungen hier und eine tolle Zeit. Was ich hier im Schwarzwald alles erlebe, könnt ihr in meinem Online-Tagebuch lesen.

Bis bald und adios

César


In diesem Park leben Tiere, die unter sehr schlechten Bedingungen gehalten wurden. Im Alternativen Wolf- und Bärenpark können sie sich nun frei bewegen und ein verhaltensgerechtes und naturnahes Leben führen. Derzeit gibt es acht Bären, zwei Luchse und sechs Wölfe im Park. Besuch des alternativen Wolfs- und Bärenparks im Nordschwarzwald  (César Gascón Iglesias, Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Hier könnt ihr mehr über mein erstes Projekt im alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald lesen. Damit sich nicht nur Luchs, Wolf und Bär, sondern auch die Wildbienen wohl fühlen, haben wir gemeinsam eine Wildbienenunterkunft gebaut.

Link zur Fotostory: Wildbienenunterkunft für den alternativen Wolf- und Bärenpar


Cesar bereitet die Audios vor, die der Videopräsentation hinzugefügt werden sollen. Aufnahme der Diashow für das Youtube-Video  (Cesar Gascon / Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Insekten und Wildbienen sind ein besonders wichtiger Teil unseres Ökosystems. Leider verlieren wir aktuell viele Individuen und Arten. Ein weiterer Rückgang kann enorme Folgen haben. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Population von Insekten und Wildbienen in einem sehr besorgniserregenden Tempo abgenommen hat. Wir stellen uns die Frage: Was ist die Erklärung dafür und was können wir tun, um den Rückgang zu verhindern?

In einem Video zum Insekten- und Bienensterben für Schülerinnen und Schüler wollen wir zum Mitdenken und Handeln aufrufen. Damit viele Klassen die Videos im Unterricht behandeln können, gibt es neben einer deutschen auch eine englische und spanische Version. Auf YouTube haben auch Menschen aus anderen Ländern die Möglichkeit, etwas über den Rückgang bei uns zu erfahren.

Um das Video zu erstellen, haben wir eine PowerPoint-Präsentation vertont, ein kurzes Intro-Video aufgenommen, die Dateien zusammengefügt und als Video abgespeichert. Ich war erstaunt, wie einfach das zu machen war. Ich bin sehr aufgeregt, euch Anfang nächster Woche das Ergebnis zu zeigen!

Ich wünsche mir, dass die Leute verstehen, welche Folgen die Handlungen des Menschen im Ökosystem haben. Außerdem möchte ich sie dazu ermutigen, sich für den Naturschutz zu engagieren.

Im Wildpark Pforzheim ist es erlaubt, einige der Tiere zu füttern (solange dies mit einem speziellen Futter aus dem Park geschieht). Hochlandkuh bittet Cesar höflich um etwas Futter.  (Cesar Gascon / Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Als zusätzliche Aktivität mit Qprints konnte ich am Freitag den Wildlife Park von Pforzheim besuchen. Viele unterschiedliche Tiere können dort bestaunt werden. Neben verschiedenen Rinderarten gab es Schafe, Wildschweine, viele Vogelarten und Wildkatzen. Außerdem gibt es auch einen Streichelzoo. Wegen Corona ist dieser aber im Moment geschlossen. Es war eine schöne Art, die Woche zu beenden.

Das Pförtnerhaus ist das erste Gebäude, auf das Sie stoßen, wenn Sie das Schloss betreten. Schloss Neuenbürg Torwärterhäuschen  (Cesar Gascon / Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Am Sonntag fuhr ich mit dem Zug mit Qprints nach Neuenbürg, einer schönen Stadt vor den Toren des Schwarzwaldes. Ich habe gelernt, dass die Gegend um Neuenbürg bereits im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus von den Kelten besiedelt war. Die Kelten haben Eisenerz abgebaut. Vom Bahnhof aus machten wir einen kleinen Ausflug zum Schloss Neuenbürg, wo wir den Nachmittag verbrachten. Es war sehr schön, diese Stadt kennenzulernen und einen Spaziergang im Wald zu machen. Viele Städte hier sehen für mich wie aus einem Märchenszenarien aus. Ich glaube, ich werde nie aufhören, darüber zu staunen!

Ich denke, es war eine schöne Woche. Ich war sehr beschäftigt, aber mir hat die Arbeit Freude gemacht. Ich bin froh, in diesem bemerkenswerten Teil der Welt zu sein und so interessante Dinge zu tun!


 

ZWEITE WOCHE IM MAI

Steile Hänge, schmale Täler – mein Besuch im Eyachtal

Die Eyach ist ein kurzer Fluss in Deutschland, ein Nebenfluss am rechten Ufer des Neckars, der durch das nördliche Bundesland Baden-Württemberg fließt. Der Fluss Eyach im Naturschutzgebiet Eyachtal  (Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Das Naturschutzgebiet Eyachtal liegt in der Nähe von Neuenbürg, im Tal der Eyach. Die Eyach schlängelt sich hier fast ursprünglich durch ihr Mittelgebirgstal. Auch dank des Einsatzes der Schutzgemeinschaft Eyachtal, die sich ehrenamtlich seit 1983 für die Naturlandschaft einsetzt, konnte sich hier eine ursprüngliche Auenlandschaft halten und entwickeln. Es gibt nicht mehr viele Lebensräume, wo beispielsweise das Bachneunauge (Lampetra planeri) vorkommt. Diese Schönheit wurde dem Eyachtal gerade im Corona-Jahr zum Problem. Viele Ausflügler kommen an den Sonn- und Feiertagen hierher, tummeln sich auf den Wiesen, spielen im Fluss, picknicken abseits der Wege und zerstören so ungewollt und oft unbewusst das, was sie eigentlich suchen – ein Stück intakter Natur.

Los miembros de Schutzgemeinschaft Eyachtal llevan protegiendo el valle desde 1983. En 2003 Consiguieron que el Eyachtal se convirtera en un espacio natural. Mitglieder von BUND und Schutzgemeinschaft Eyachtal treffen sich im Naturschutzgebiet  (Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Neben den ökologischen und geologischen Besonderheiten (das Eyachtal ist flussabwärts sehr schmal und weitet sich flussaufwärts auf) konnte ich bei dieser Exkursion weitere Ehrenamtliche vom BUND und von der Schutzgemeinschaft Eyachtal kennenlernen. Es war wirklich schön zu sehen, wie sich all diese Leute für den Erhalt der Natur einsetzen. Stolz hat mir die Schutzgemeinschaft erklärt, dass sie es 2002 geschafft haben, dass das Eyachtal zu einem Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Leider sehen wir auch im Eyachtal den Konflikt zwischen Naturschutz und menschlicher Nutzung. Es ist gut, wenn sich die Menschen für die Natur interessieren und sie die Natur erkunden wollen. Wenn aber ganze Menschenmassen ein Gebiet für sich entdecken, nicht auf den vielen Wegen bleiben und ihren Müll zurücklassen, stößt die Natur an ihre Grenzen.

Neben der touristischen Nutzung stellt auch die Landwirtschaft zunehmend ein Problem dar. Vom Kostendruck getrieben wurden die Maschinen immer größer und die Wiesen immer früher und häufiger gemäht. Viele landwirtschaftlichen Betriebe haben ihren Tierbestand erhöht, um sich ihr Einkommen zu sichern. Das bedeutet aber auch, dass die Güllemengen und die Nährstoffeinträge größer wurden.

César ist der katalanische Praktiker des BUND-Nordschwarzwald. Cesar besucht das Eyachtal  (Patrick Maier / BUND-Nordschwarzwald)

Regeln oder Verbote allein werden die Natur nicht retten – es ist mindestens genauso wichtig, dass die Menschen zu schützen lernen, was sie nutzen wollen. Um dahin zu kommen, wurde gemeinsam die Idee von landkreisübergreifenden Regionen-Rangern geboren. Sie könnten immer dort zum Einsatz kommen, wo gerade viele Menschen unterwegs sind.


 

BUND-Bestellkorb