Wetter- und Klimawandel und Landwirtschaft

Der Mai 2022 war deutlich zu warm  (BUND-nordschwarzwald / Daten: Deutscher Wetterdienst (DWD))

In Baden-Württemberg war der Mai mit 15,6°C deutlich zu warm, zu sonnig und zu trocken. Im Baden-Württemberg-Mittel der letzten 30 Jahre wären 11,9 °C normal gewesen. Für das Beispiel Pforzheim-Ispringen bedeutet das: Pforzheim-Ispringen lag im Wonnemonat Mai mit 15,6°C  genau im Baden-Württemberg-Durchschnitt. Das sind 2 Grad mehr als der aktuelle Referenzwert (13,6 Grad) der letzten 30 Jahre und schon mehr als 3 Grad im Vergleich zum Zeitraum 1960—1990. Damals hatte es in Ispringen im Mai im Durchschnitt 12,5 °C. 

 

Dürremonitor: Stand Mai 2022  (UFZ / Zentrum für Umweltforschung (UFZ))

Bezogen auf das komplette Frühjahr war im Enzkreis vor allem der März relativ trocken.Im Vergleich zu Regionen in Norddeutschland kam es bei uns aber immer wieder zu kleineren Regenfällen, die die Situation entspannt haben. 3 Starke Regenereignisse mit 45 Liter Anfang April, 35 Liter Mitte Mai und 60 Liter Ende Mai, aufgenommen von der Station Mühlacker, haben dazu geführt, dass lokal die Durchschnittswerte relativ unspektakulär wirken. Die Grundwasserstände liegen nach den 3 Trockenjahren aktuell im durchschnittlichen Bereich. Grund zur Freude? Nein! Wenn wir uns den Dürremonitor des UFZ (Zentrum für Umweltforschung) anschauen, sehen wir, dass die oberen 25 Zentimeter zwar Wasser für die Pflanzen bereitstellen können ("Pflanzenverfügbares Wasser"), wir aber weder in den oberen noch in den tieferen Bodenschichten genug Wasser haben. Trotz einiger Regenfälle gibt es  keine Bereiche ohne Dürre. Die meisten Gebiete weisen weiterhin eine schwere oder sogar außergewöhnliche Dürre auf.

Mit Blick auf den Klimawandel erleben wir genau das, was die Klimamodellen prognostiziert haben: Die Wetterlagen werden immer träger. Das führt einerseits zu längeren Trockenphasen und andererseits zu mehr und stärkeren Unwetterereignissen. Die Landwirtschaft kann diesen Trend ebenfalls bestätigen. „Die Situation bei uns ist nicht so drastisch wie in anderen Bundesländern, auch wenn im März in Königsbach-Stein nur rund 7 Liter gefallen sind. Die Winterfeuchte hat vor allem bei Wintergetreide und Raps dazu geführt, dass sie sich gut entwickelt haben“, so Frank Zengerle vom Kreisbauernverband. „Mit Blick auf Sommergerste oder Mais wären späte Trockenphasen und große Hitze ein größerer Stressfaktor. Auffallend ist, dass es insgesamt weniger Niederschläge gibt, wenn es dann aber regnet, beobachten wir hohe Niederschlagsintensitäten. Die Landwirtschaft reagiert bereits darauf: Schonende Bodenbearbeitung (oberflächennah) und mehr Bodendecker (Zwischenfrucht) sollen den Boden fit machen. Durch mehr Humus im Boden soll dieser wie ein Schwamm das Wasser speichern.“ Aus Sicht des Naturschutzes ist eine bodenschonende und wasserspeichernde Bewirtschaftungsweise nur zu begrüßen. Der Blick in die Zukunft ist schwer. Klar ist eigentlich nur, dass Landwirtschaft, Naturschutz und Klimaschutz sich nicht mehr ausschließen dürfen. Ein Blick auf das Heckengäu und damit auf unsere landwirtschaftliche Vergangenheit zeigt, wie das gehen könnte: Hecken gelten als Biodiversitätshotspots und verbindendes Element. Sie sind Wasser- und Kohlenstoffspeicher, Schattenspender, Windstopper und helfen gegen die Bodenerosion. Einen lesens- und hörenswerten Beitrag dazu hat der SWR verfasst: Link zum Beitrag

BUND-Bestellkorb