Regionalverband Nordschwarzwald
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Igel gefunden - was tun? BUND-Tipps zur Soforthilfe und zum langfristigem Schutz

21. Oktober 2026 | Natur-/Umwelt-/Klimaschutz, Umweltbildung & Beratung

Tipps zum Thema "Igel gefunden" - zusammengestellt vom BUND Regionalverband Neckar-Alb

Die nachtaktiven Insektenfresser werden jetzt häufiger gesichtet, weil sie im Herbst auch tagsüber auf Nahrungssuche sind um sich lebensnotwendige Überwinterungsreserven anzufressen. Auf dem "natürlichen" Speiseplan des Igels stehen Käfer, Engerlinge, Raupen, Spinnen und Regenwürmer, seltener Schnecken - die zudem Zwischenwirte für die für Igel lebensgefährlichen Lungenwürmer sind. 

Eine Zufütterung kann untergewichtigen Igeln mit einem Spätherbstgewicht von weniger als 500 Gramm helfen den Winter zu überstehen. Geeignetes Futter ist beispielsweise ungewürztes Rührei oder hochwertiges Igelfertigfutter (also ohne Flocken, Rosinen oder Nüsse). Auf keinen Fall darf man Milch oder Milchbrei füttern, denn dies verursacht lebensgefährlichen Durchfall! Außerdem muss der Futterplatz (besser: mehrere kleine Futterschalen) saubergehalten werden um die Übertragung von Parasiten von Igel zu Igel zu vermeiden. Generell kann man Igeln und anderen Kleintieren mit einer flachen Schale frischen Wassers durch trockene Wetterperioden helfen.

Barbara Lupp von der BUND-Geschäftsstelle in Tübingen macht darauf aufmerksam, dass man mit Füttern oder mit Aufpäppeln und Überwintern zwar einzelne Igel retten, aber den Rückgang dieses ehemals häufigen Stachteltiers nicht stoppen kann. Denn die Hauptursachen dafür, dass der Igel mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht, sind der Schwund an geeigneten, miteinander vernetzten Lebensräumen und der Mangel an natürlicher Nahrung. Unser heimischer Igel fühlt sich in naturnahen, miteinander verbundenen Gärten, in Streuobstwiesen, in extensiv gepflegten Parks, Grünstreifen und Hecken mit einheimischen Sträuchern wohl. Insektenfeindliche, aufgeräumte Grünflächen, mit unüberwindbaren Abgrenzungen -  Igel sind schlechte Kletterer! - bieten dagegen kein Zuhause. Auch eine extreme Nachverdichtung in Wohn- und Gewerbegebieten, die zwischen Asphalt und Beton nur wenige, verinselte Grünflächen übriglässt, ist mitverantwortlich für den Rückgang der beliebten Stacheltiere.
Igelfreundliche Kommunen und Gartenbesitzer*innen sind also eher "faul". Sie pflegen Grünflächen nicht zu intensiv, lassen insektenfreundliche Stauden über den Winter stehen sowie beliebte Überwinterungsorte wie Totholz- oder Laubhaufen liegen.
Daneben ist es wichtig, "Igelfallen" zu vermeiden: Vor der Verbrennung oder der Abfuhr von Schnittgut sollte kontrolliert werden, ob sich darin nicht Igel oder andere Kleintiere aufhalten. Auch Swimmingpools oder Kellerschächte können nicht nur für Igel sondern z. B. auch für Amphibien zu tödlichen Fallen darstellen. Deshalb sollten diese abgedeckt oder zumindest mit Ausstiegshilfen versehen werden.
Lichtverschmutzung: Der BUND weist darauf hin, dass Bodenleuchten oder Strahler im Garten nicht nur den nachtaktiven Insektenfresser sondern auch Mitmenschen irritieren - ganz davon abgesehen, dass es sich dabei meist um qualitativ minderwertige Elektronikartikel handelt.

Insbesondere überwinternde Igel oder Jungigel im Nest fallen immer wieder Baufeldräumungen, maschinellen Heckenrückschnitt oder anderen Räum- und Pflegemaßnahmen zum Opfer. Um dies zu vermeiden, appelliert der BUND an Kommunen und Bauträger, potenzielle Igellebensräume wie aufgelassene Gärten oder verwilderte Restgrünflächen in Gewerbegebieten vor ihre Umwandlung auf diese gesetzlich geschützte Tierart abzusuchen. Dies gilt auch für die Hecken- und Grünflächenpflege, wenn sie, wie heute üblich, im Schnellverfahren mit Freischneidern oder Motorsensen erfolgt:  Um “Massaker” zu vermeiden, müssen Igel zuvor umgesetzt oder fachgerecht in Obhut genommen werden. Im privaten Garten, wo im Gegensatz zum kommunalen Bereich kein Effizienzdruck herrscht, ist natürlich einer naturschonden Grünflächen-und Heckenpflege der Vorzug zu geben, so der BUND.

Weiterführende Informationen hier.

 

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