Artikel von Liss Hoffmann vom 24.07.2025

Welche Pilze können bereits im Spätsommer gesammelt werden?

Fichten-Steinpilz  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)

Mit Dank an Bernd Miggel für fachliche Überprüfung und Ergänzungen.

Auch wenn Herbst als klassische Pilzsammelzeit gilt, gibt es das ganze Jahr über essbare Pilze, die man sammeln kann. Jetzt Ende Juli sind es sogar einige!

Nach den Regengüssen im Juli sind schon Fichten-Steinpilze und Sommersteinpilze zu erwarten; Flockenstielige und Netzstielige Hexenröhrlinge kommen zu dieser Jahreszeit teilweise in großer Anzahl vor. Auch weitere essbare Röhrlingsarten sind jetzt schon zu finden. Zum Beispiel: Maronenröhrlinge, Goldröhrlinge unter Lärchen, Birkenpilze unter Birken und Hainbuchenraufußröhrlinge unter Hainbauchen. Unter Kiefern sind Krause Glucke, Kuh- und Sandröhrling möglich. Ebenfalls Begleiter von Nadelbäumen ist der Pilz namens Kuhmaul, der auch den etwas unappetitlichen Namen Großer Schmierling trägt. Er wächst unter Fichten.

Goldröhrling  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)
Netzstieliger Hexenröhrling  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)

Ganz ohne Baumpartner kommt der Schopftintling aus. Er ist im jungen Zustand sehr wohlschmeckend. Er hat eine zarte Konsistenz und einen milden Geschmack.

Es gibt außerdem gute Chancen auf Pfifferlinge.

Kenner erfreuen sich an Perlpilzen, die jedoch aufgrund der Verwechslungsgefahr mit dem tödlichen Pantherpilz nur gesammelt werden dürfen, wenn man die Merkmale sicher beherrscht. Ebenfalls für Fortgeschrittene sind Scheidenstreiflinge. Sie sind – genauso wie der Perlpilz – eng mit den gefürchteten Knollenblätterpilzen verwandt und haben daher einige Ähnlichkeiten mit ihrer giftigen Verwandtschaft.

links: Perlpilz rechts: tödlich giftiger Pantherpilz  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)

Auch einige essbare Boviste kommen bereits im Sommer vor: Der Flaschenbovist in Wäldern und der bis zu einem halben Meter dicke Riesenbovist auf fetten Wiesen und Weiden.

Für die Experimentierfreudigen ist das junge Stadium der Stinkmorchel eine besondere Delikatesse. Die ausgewachsene Stinkmorchel hat einen abscheulichen Gestank nach Verwesung, ist aber ungiftig. Ganz jung (und stinkefrei) als „Hexenei“ hat ihr innerer Kern einen feinen Geschmack nach Radieschen.

links oben: Junges Stadium der Stinkmorchel (Hexenei) rechts oben: "Hexenei", durchgeschnitten unten: Stinkmorchel mit Fliegen  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)

Außerdem wachsen im Sommer verschiedene Täublingsarten. Es gibt sie in unterschiedlichen Farben und Geschmacksrichtungen. Hier sind beispielsweise der Speisetäubling, der Grüngefelderte Täubling und der Frauentäubling als wohlschmeckende Arten hervorzuheben.

Auf Wiesen und Weiden sind Funde von Wiesenchampignons sehr wahrscheinlich.

Krause Glucke  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)

Wo kann man Pilze in Baden-Württemberg am besten sammeln?

Jetzt im Sommer sucht man am besten Laubwälder oder Mischwälder auf. An Wegen und Waldrändern sind die Chancen auf Pilze besonders gut. Erfahrungsgemäß sind naturnahe Wälder mit alten Bäumen und Totholz oft besonders reich an Pilzen. Einige für Nadelwälder typische Speisepilzarten wachsen erst im Herbst, doch auch jetzt im Sommer kann sich ein Besuch lohnen.

Viele Parks und Wegränder sind ergiebig, was tolle Speisepilzarten angeht. Allerdings kann es hier Kontaminationen durch Pestizide, Abfall oder Hunde-Urin geben.

Schwarzhütiger Steinpilz  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)

Worauf müssen Sammler achten? Und was können sie bei Unsicherheit tun?

Zunächst gibt es ein paar Verbote. Die können nervig sein, doch es ist wichtig daran zu denken, dass sie zum Schutz der Natur in unserer dicht besiedelten Landschaft existieren und nicht um jemanden zu ärgern. Man darf keine Pilze auf Flächen sammeln, die einem Betretungsverbot unterliegen, auch nicht in Aufforstungsflächen sowie Naturschutzgebieten oder Nationalparks. Es gibt auch essbare Pilzarten, die überhaupt nicht gesammelt werden dürfen, z.B. den Schwarzhütigen Steinpilz (Boletus aereus) sowie gefährdete Pilzarten, die auf der Roten Liste stehen, und geschont werden sollten z.B. Schwarzkopf-Milchling (Lactarius lignyotus).

Außerdem sollte man nie alles sammeln, sondern auch für Natur und andere Sammler*innen genug Pilze übrig lassen.

Damit der Pilzgenuss nicht zu einer Vergiftung führt, ist es wichtig, nur Pilze in einwandfreiem Zustand mitzunehmen. Viele Pilzvergiftungen kommen durch Pilze zustande, die zu einer essbaren Art gehören, aber verdorben sind. Außerdem muss auf einen luftigen Transport (keine Plastiktüten!), eine kühle Lagerung, rasche Verarbeitung sowie ausreichende Erhitzung von ca. 20 min geachtet werden.

Außerdem ist zu beachten, dass es auch bei guten Speisepilzen individuelle Unverträglichkeiten oder gar Allergien geben kann. Bei Pilzarten, die man zuvor noch nie gegessen hat, ist es daher ratsam, mit ganz kleinen Mengen anzufangen.

links: Schopftintling essbar rechts: Schopftintling, nicht mehr essbar  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)

Der Speisewert von Pilzen lässt sich niemals sicher anhand von Apps, Fotos oder Videos bestimmen. Auch irgendwelche Faustregeln wie „Wenn eine Schnecke am Pilz geknabbert hat, ist er essbar“ oder „Auf Wiesen wachsen keine Giftpilze“ sind lebensgefährlich. Der einzige Weg, um die Essbarkeit von Pilzen sicher einzuschätzen ist, die Arten mit ihren Merkmalen genau zu kennen und live zu beurteilen. Es gibt keine Abkürzung, die diese Arbeit erspart. Andernfalls dürfen Pilze auf keinen Fall gegessen werden.

Bei Pilzen, deren Speisewert man selber nicht mit 100%-iger Sicherheit einschätzen kann, ist es am besten, einen geprüften Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie aufsuchen (Verzeichnis ist auf der Website der DGfM).

Unbekannte Pilze sollte man separat von Pilzen transportieren, die man sicher bestimmt hat, um die essbaren Funde nicht mit denjenigen zu kontaminieren die sich möglicherweise als Giftpilze herausstellen. Aber bitte nicht gierig werden und massenhaft unbekannte Pilze mitnehmen in dem Vertrauen, dass der/die Pilzsachverständige sie schon bestimmen wird. Falls diese nicht essbar sind, hätte man sie völlig umsonst der Natur entnommen.

Für die korrekte Bestimmung ist es außerdem bei vielen Pilzarten notwendig, sie nicht abzuschneiden sondern komplett zu entnehmen, inklusive dem Teil, der sich in der Erde befindet: Die Stielbasis trägt häufig Merkmale, an denen man einen Speisepilz von seinem giftigen Doppelgänger unterscheidet. Das macht dem Lebewesen Pilz übrigens nichts! Viele Sammler machen sich Sorgen, ob sie die Pilze lieber abschneiden oder komplett herausdrehen sollen, um keinen unnötigen Schaden anzurichten. Um es kurz zu machen: Dem Pilz ist es egal, solange das im Boden befindliche Myzel (Pilzgeflecht) nicht geschädigt wird.

Hainbuchen-Raufußröhrling  (Liss Hoffmann / BUND Nordschwarzwald)

Welche Mengen sind erlaubt?

Man darf geringe Mengen für den Eigenbedarf mitnehmen. Was genau eine geringe Menge ist, ist gesetzlich nicht klar definiert. In Baden-Württemberg hat sich bei Pilzen die Angabe von 1 kg pro Person etabliert. Da man beim Sammeln üblicherweise keine Waage dabei hat, kann man sich an der sog. „Handstraußregelung“, orientieren die vor allem im Zusammenhang mit Pflanzen bekannt ist. Das bedeutet, dass die erlaubte Menge wie ein Blumenstrauß ist, den man gut in der Hand halten und transportieren kann. Man kann sich ungefähr die Menge Pilze vorstellen, die dem entspricht. Sollte das Gewicht dann ein wenig über 1 kg liegen, ist es extrem unwahrscheinlich, dass man Probleme bekommt. Bei Fällen, in denen Bußgelder verhängt wurden, weil jemand zu viele Pilze mitgenommen hatte, handelte es sich meiner Kenntnis nach nie um ein paar Hundert Gramm, sondern um viele Kilogramm.

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